von Andreas Stötzner
Die Schrift- und Zeichensysteme der Welt geraten mit zunehmender Intensität in das Blickfeld der Öffentlichkeit, die in immer stärkerem Maße durch weltweit vernetzte Kommunikation geprägt ist. In allen Bereichen entstehen neue Zeichen, unbekannte Schriften werden entdeckt und dokumentiert, neuartige Zeichensysteme werden erfunden und der öffentliche Raum wird immer mehr durch eine Vielfalt graphischer Zeichen bestimmt. Veränderungen im Gebrauch bestehender Zeichen zeugen von kulturellem und sozialem Wandel. Diversität und Komplexität der zeichengestützten Kommunikation nehmen ständig zu. Mit Unicode ist erstmals ein einheitlicher Standard für die Kodierung aller Zeichen der Welt im Entstehen.
In diesem vielschichtigen Prozeß treten aktuell eine Menge von Fragestellungen auf, die das bisherige Fehlen einer allgemeinen graphowissenschaftlichen Grundlage offenbaren. Diese Lücke könnte durch die Signographie ausgefüllt werden. Die zeichengestützte internationale Kommunikation befindet sich in einer dramatischen Umbruchphase, die vor allem durch zwei Perspektiven bestimmt wird: zum einen die digitale Kodierung sämtlicher Schriften der Welt auf einer einheitlichen Grundlage (ISO 10646/Unicode), zum anderen eine zunehmende Bedeutung nichtalpabetischer Zeichensysteme in unterschiedlichsten Bereichen. Sprach- und Schriftforscher fördern immer wieder unbekannte Zeichenwelten zutage, in technischen Sparten und im öffentlichen Raum sind z.T. umfangreichste ideographische Zeichensysteme in Gebrauch, die sich ständig weiterentwickeln. Die Internationalisierung und zunehmende Verflechtung regional oder systematisch verschiedener Zeichenkulturen in der globalen Kommunikation stellt eine große Herausforderung für die Nutzung der daraus resultierenden Potentiale dar.
Heute wird mit dem Ausbau des Unicode-Standards die für die nächsten Jahrzehnte gültige graphotechnische Kommunikationsbasis geschaffen. In diesem Prozeß treten gravierende Lücken bei der Erschließung von Zeichen und Zeichengruppen zutage. Der methodische Nachholbedarf wird daran ersichtlich, daß Softwaretechnik und Sprachwissenschaft allein dieser Aufgabe kaum gewachsen sind.
Die Notwendigkeit einer allgemeinen und systematischen Erforschung der Zeichen der Welt – über die großen etablierten Schriftsysteme hinaus –, ist zu einer dringenden Aufgabe geworden.
Die Signographie hat also ein weites Feld anwendungsbezogener Aufgaben vor sich. Auf der anderen Seite sind aber auch die eigenen Grundlagen des Faches sowie sein Verhältnis zu anderen Disziplinen noch zu erarbeiten.
Aufgabenstellungen, Ziele und Perspektiven der Signographie in Stichworten
Arbeitskreis Signographie | Signographisches Institut | Signographie als eigenständiges Fach (SIGNA 1)