Signographie : Die Welt der Zeichen

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Unicode 6.0: die piktographische Wende

Mehr als 600 neuer Codepunkte für Piktogramme – Neuer Font von Andreas Stötzner

Am 11. Oktober trat die neue Version 6.0 des internationalen Unicode-Standards in Kraft. Unter den zahlreichen Ergänzungen und Erweiterungen des Zeichenrepertoires dürfte besonders eine Neuerung von allgemeinerem Interesse sein: die Kodierung einer Vielzahl weltweit gebräuchlicher Publikzeichen – vor allem piktographischer Natur.
Bisher gab es nur einen einzigen Block (2600), der eine bunt gemischte Sammlung ideo- und piktographischer Zeichen aus verschiedenen Sachgebieten beinhaltete, sieht man einmal von dem leidigen 2700er Block »Zapf Dingbats« ab (in dem nur etwa ein Dutzend wirklich gebräuchlicher Zeichen enthalten sind). Der spezialisiertere Bereich der technischen, geometrischen und mathematischen Sonderzeichen sowie der Pfeile war schon bisher mit insgesamt 1415 Positionen (in verschiedenen Blöcken von 2190 bis 2B5x) recht ansehnlich vertreten.

Der 2600er Block »Vermischte Zeichen« erfuhr in der vorigen Version 5.2 bereits eine Erweiterung um 59 und ist jetzt mit Version 6.0 auf die Vollzahl von 256 Zeichen komplettiert. Eine mehr als zweieinhalbmal so große Menge – 662 Zeichen –, ist nun aber in fünf gänzlich neuen Blöcken der Erweiterungsebene 1 hinzugekommen. Damit hat sich die Menge der kodierten Piktogrammzeichen etwa verdreieinhalbfacht. Ohne den 2700er Block gerechnet gibt es jetzt mehr als 900 kodierte Piktogramme: zum erstenmal in der Geschichte der internationalen Zeichenkodierung eine kritische und repräsentative Menge erfaßter Publikzeichen, die eine verläßliche Grundlage für die fontgestützte Anwendung darstellt. Das gilt besonders für die Bereiche Orientierung/Verkehr/Touristik sowie für Geschäfts- und Kommunikationswesen.

Die Neuaufnahmen sind, in Kürze:

  • 1F300 (Erde/Planeten, Pflanzen, Nahrung/Getränke, Freizeit/Sport, Gebäude; 188 Zeichen),
  • 1F400 (Tiere, Menschen/Figürliches, Herzen, Geld/Geschäftliches, Kommunikation; 250 Zeichen),
  • 1F500 (Betriebszeichen, Gegenstände, Uhr/Zifferblätter; 91 Zeichen),
  • 1F600 (Smileys und Ähnliches; 63 Zeichen),
  • 1F680 (Transport/Verkehr/Reise, Hygiene; 70 Zeichen).


Der Einbindung dieser Zeichengruppen in den Standard ging ein längerer und z.T. schwieriger Erarbeitungsprozeß voraus. Denn, so allgemein bekannt und tausendfach angewandt diese Zeichen auch sind – was ihnen mangelt, ist eine bestehende Kodifizierung, wie es sie mit »A bis Z« für die Lateinische und mit entsprechenden Ordnungen für fast alle anderen Schriften gibt. Dieses Fehlen ist bisher eines der Haupthindernisse für die Kodierung gewesen, da Unicode/ISO-10646 nach dem Prinzip »nicht führen sondern folgen« erarbeitet wird. Das heißt, die entscheidenden Gremien möchten der Welt mit dem Standard keine Vorschrift aufdrücken, sondern durch den Standard die Lebenswirklichkeit abbilden – also nur das kodieren, wofür sich eine tatsächliche Nutzung nachweisen läßt. Doch auch unter dieser Voraussetzung – oder gerade deshalb –, erwies sich die eigentliche Auswahl der aufzunehmenden Zeichen als teilweise heiß umkämpftes Thema.

Der anfängliche Impuls zur Aufnahme von Publikzeichen im größeren Stil kam vor mehr als drei Jahren von den Firmen Apple und Google. »Emoji« genannte Piktogramme erfreuen sich vor allem in Japan steigender Beliebtheit bei Handynutzern, da japanische Hersteller solche Zeichen seit einiger Zeit implementieren, um die piktographische Anreicherung von Mail- und SMS-Nachrichten zu ermöglichen. Mit zunehmender Interaktion der verschiedenen Gerätearten gelangten die »Emoji« (etwa: »Gefühlszeichen«) in allgemeine Datenbestände – und die fehlende Standardisierung ihrer Kodierung erwies sich zunehmend als Hindernis und Fehlerquelle. Obwohl die bestehenden Industriestandards Softbank, DoCoMo und KDDI hierfür bereits eine beträchtliche Synchronisation aufwiesen, erkannte man die praktische Begrenztheit, die bei PUA-Belegung unvermeidlich ist. Der Wunsch zu regulärer Kodierung war geboren.


Mit dem ersten Schritt einer Abgleichung des Repertoires der genannten drei Standards wurde die Grundlage geschaffen, die das hier fehlende »ABC« zu ersetzen geeignet war. Dieses erste Stadium führte zu weiteren Diskussionen, etwa um sachliche Ergänzungen bestimmter Zeichengruppen (z.B. BAHN, BUS, –> BERGBAHN), die Sortierung oder die Benennung von Zeichen und Zeichengruppen. Auch prinzipielle Probleme waren zu erörtern. So z.B. die in den Ausgangslisten auftretenden mehrfachen Farbvarianten bestimmter Zeichen (HERZ), die den Rahmen eines »Schwarzweiß-Standards« eigentlich sprengen. Oder die Frage, ob Verkehrsmittel frontal oder seitlich darzustellen sind. Letztere wurde, in Hinblick auf die Praktikabilität, so entschieden, daß die wichtigsten Verkehrsmittel jeweils in Vorder- und Seitenansicht kodiert wurden.

Ein weiteres Problemfeld war schließlich (wie meistens) die Wahl geeigneter Referenzglyphen für den Standard. Man sollte ihre Details im Einzelfall nicht über Gebühr ernst nehmen. Der japanische Impuls für die Kodierung ist in dem Manga-artigen Stil vieler Zeichenabbildungen (z.B. bei den Smileys oder den figurativen Zeichen) unübersehbar – und wohl für alle Zeiten festgeschrieben. Doch in der Gesamtheit, darauf war in den Diskussionen immer wieder hinzuweisen, handelte es sich hier doch vorwiegend um Zeichen, die auf der ganzen Welt in vergleichbarer Weise dargestellt werden. Träumte Otl Aicher einst vom radikal kulturbereinigten, absolut »neutralen« Piktogrammstil, der von Menschen auf der ganzen Welt gleichartig zu empfinden sei, so ist das visuelle Ergebnis, wie es sich auf den neuen Seiten in Unicode 6.0 darstellt, der schlagende Beweis dafür, daß ein solch »totalitärer« Neutralismus – Illusion bleiben muß. Die Blocktabellen mit den jetzt fixierten Referenzglyphen veranschaulichen die Schwierigkeit, von lokalen Bezügen ausgehend hin zu einer global gültigen graphischen Formensprache zu gelangen. Oder anders ausgedrückt: die visuelle Uneinheitlichkeit, die sich etwa in der Tafel 1F300 manifestiert, verweist auf die Größe der Gestaltungsaufgabe, die mit einer künftigen Font-Implementierung gegeben ist.

Das vergangene Jahrzehnt war im Schriftschaffen geprägt von dem Bemühen um eine Harmonisierung verschiedener Schriften in einem Font, eine Aufgabe, die erst durch Unicode aktuell wurde. Es sei hier die Voraussage gewagt: das kommende Jahrzehnt wird eine Explosion des piktographischen Fontangebotes und den Wettstreit der Gestalter um die beste Harmonisierung von Schrift- und Symbolzeichen erleben. Die Anwendung von Publikzeichen im Alltag, stetig zunehmend seit 20 Jahren, wird weiter und stärker zunehmen als je zuvor – begünstigt durch Unicode. Es wird aufregend.

Letztlich handelt es sich um eine Art »neuer Weltschrift«, deren Entfaltung wir beiwohnen und die wir mitgestalten dürfen. Sie steht gleichwohl noch am Anfang ihrer Entwicklung. Den jetzt offizialisierten Zeichen werden viele Hundert weitere folgen. Die mit der jetzigen Kodierung geschaffene neue Anwendungsgrundlage wird auf die visuelle Kultur unserer Umwelt einen merklichen Einfluß haben. »Unicode« war vielleicht dem Sinn seines Namens noch nie so nah wie heute.

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Einige Anmerkungen zu den Neukodierungen in UC 6.0


2600 – Vermischte Sonderzeichen
Die 58 Zeichen, die bereits in Unicode Version 5.2 in den letzten vier Spalten hinzugekommen sind, geben ein sehr gemischtes Bild ab. Verständlich ist das nur, wenn man die Herkunft diese Auswahl berücksichtigt: der japanische Telekommunikationsstandard ARIB. Die Kodierung dieser Zeichen ist als vornehmlich durch die Interoperabilität motiviert gewesen. (Wie man auf den Tafeln der Neukodierungen unter 1Fxxx sieht, ist dieses Chaos mit UC 6.0 im Ansatz überwunden.)
Mischmasch hin oder her, viele dieser Zeichen haben trotzdem eine hohe Allgemeingebräuchlichkeit: KIRCHE, ZELT, SCHIFF TANKSTELLE &cª. Speziell japanische Merkmale der Referenzglyphen sind dabei keineswegs zwingend, etwa die Schildform bei 26E8 KRANKENHAUS – in Europa ist hier ein einfaches Quadrat gebräuchlich. 26EA KIRCHE könnte man ebensogut mit einer Seitendarstellung belegen. 26EB BURG ist reichlich schematisch ausgefallen, auf diese Position paßt durchaus auch eine Glyphe, die ein wenig mehr an einen zinnenbewehrten Turm erinnert, so, wie es in der europäischen Orientierung vielfach vorkommt. Mit 1F3F0 hat man hier außerdem eine zweite Postion zur Differenzierung.
Im Unterschied dazu sollte man 26EC HISTORISCHE STÄTTE  – was der Name nicht ausdrücklich mitteilt – im Sinne vorgeschichtlicher und archäologischer Stätten interpretieren.
Bei 26F1 SCHIRM AUF UNTERGRUND muß darauf hingewiesen werden, daß es sich hier eindeutig um ein Zeichen für STRAND handelt und nichts anderes. An diesem Beispiel sieht man den immerwiederkehrenden Konflikt bei Kodierungsentscheidungen: soll der im Standard verewigte Zeichenname beschreiben, was man sieht – oder benennen, was gemeint ist? Das Zeichen hätte eben genausogut (oder besser) den Namen BEACH bekommen können.
An den Zeichen 26F7 bis 26F9 sieht man, daß eine systematische Erfassung von Sportpiktogrammen noch nicht im Fokus der Gremien stand. Denn es erscheint inkonsequent, einmal die ganze Figur und andermal nur einen Schlittschuh abzubilden. 26F8 kann man getrost auch mit einem Ganzfigur-Eisläufer belegen.
Die Glyphe für 26FA ZELT führt plötzlich die perspektivische Darstellung ein. Ein Detail, das man getrost vernachlässigen kann.


26FB JAPANISCHES BANKZEICHEN ist aus europäischer Sicht interessant, da wir genaugenaommen bis heute kein einfaches, allgemeingültiges Zeichen für BANK haben (so wie bsp.weise für KRANKENHAUS oder POST). Gleichwohl ist diese Glyphe eindeutig kulturraumspezifisch und daher nicht ohne weiteres übertragbar. Ähnliches gilt für die Glyphe für 26FC FRIEDHOF, der auf europäischen Landkarten jedenfalls mit einem anderen Zeichen darzustellen ist.
Verwirrend ist auch 26FE TASSE AUF SCHWARZEM GRUND im Verhälnis zu den beiden anderen Tassen-Zeichen (2615 und 1F375). Bei allen dreien sucht man nämlich die simple Definition »Café«, die aus europäischer Sicht nächstliegende, vergeblich. Ich empfehle, den schwarzen Kasten im Zweifelsfalle zu ignorieren und diese Position einfach im Sinne von CAFÉ zu interpretieren.

1F000, 1F030 und 1F0A0
Mit diesen drei neuen Blöcken wird die Reihe der Spiele-Notationen vervollständigt, die im 2600er Block mit den Zeichen für Schach, Würfeln und Go angefangen wurde. Wichtig ist bei dem Block 1F0A0 SPIELKARTEN: er repräsentiert gleichermaßen die Kartensätze für Skat-, Schafkopf-, Tarock-, Rommé/Bridge/Canasta- und Tarotkarten. Die abgebildete »französische« Blattversion ist nicht verbindlich, es kann stattdessen auch das deutsche oder italienische Blatt (oder eine der vielen Abwandlungen) gezeigt werden.

1F100 – Eingehauste Alphanumerika, Erweiterung
Mit diesem Block werden die Zeichensätze des 2460er Blocks komplettiert. Hinzu kommen einige spezielle Zeichen, etwa für WC oder WARENZEICHEN. In einigen Fällen sind mögliche Anwendungen in den Kommentaren angegeben (z.B. Metro, U-Bahn, Tankstelle). Die Zeichen ab 1F170 haben in den Referenzglyphen abgerundete Ecken, ein Merkmal, das man als unwesentlich verbuchen kann.

Eine sehr spezielle Bewandnis hat es mit den Zeichen ab 1F1E6. Deswegen hier dazu eine etwas ausführlichere Erläuterung.

Wie die kurze Erklärung im Standard mitteilt, sind diese Positionen dazu gedacht, paarweise  angewandt zu werden und in einer Glyphe zu resultieren. Gedacht ist dies vor allem zur Repräsentation von Zeichen für Länder, typischerweise durch Flaggen oder Ähnliches.
In den erwähnten proprietären Standards für Mobiltelephone gibt es eine Handvoll Zeichen für einige Länder: Japan, USA, Frankreich, Deutschland, Großbritannien… Es bestand die Forderung, aus Kompatibilitätsgründen diese Zeichen in Unicode zu übernehmen; eine Forderung, die die ISO-Arbeitsgruppe vor ein sehr heikles politisches Problem stellte: »Deutschland« kodieren, aber »Ungarn« nicht? »USA« kodieren, aber nicht »Brasilien«? Mit welchem Recht, diese Frage war unausweichlich, trifft ein technisches Gremium eine Entscheidung, die die Repräsentation bestimmter Länder ermöglicht, die anderer Länder aber nicht? Denn hier ging es nicht um einen proprietären Standard für eine bestimmte Firma oder eine bestimmte Produktgruppe, sondern um den *Universellen Zeichensatz*, der in der ganzen Welt gleichermaßen anzuwenden ist.
Eine Bevorzugung einiger weniger Länder wiedersprach eindeutig der internationalen Gepflogenheit, alle Staaten als grundsätzlich gleichberechtigt anzusehen. Eine »Kodierung« sämtlicher Staaten der Erde hätte hingegen das Problem geschaffen, daß verschwindende oder neuentstehende Staaten jedesmal zur Überarbeitung zwingen würden – was praktisch und aus Stabilitätsgründen (des Standards) unmöglich ist. Eine Lösung zeichnete sich ab, indem man auf die Repräsentation der Länder über den Umweg des (englischen) Alphabetes verfiel. Dies kennt man etwa von internationalen Autokennzeichen oder den Domänenamen im Netz. Zunächst war im Gespräch, sämtliche Paar-Kombinationen der Großbuchstaben A bis Z zu kodieren. Damit wären sämtliche mögliche Kürzel wie US oder GB oder IT abgedeckt gewesen. Es wären aber, um Gleichberechtigung und Vollständigkeit willen, 676 Positionen gewesen, von denen nur höchstens ein Drittel im ursprünglichen Sinne genutzt worden wäre. Deshalb wurde schließlich die Lösung gewählt, die 26 Zeichen von A bis Z als einen Satz von *Kombinanten* zu kodieren, für deren Anwendung dann eine Ersetzung durch – im Prinzip beliebige – Glyphen implementiert werden kann. Die Funktion ist also im Grunde die gleiche, wie wenn ich 0301 und danach 00C1 eingebe – und von meinem System das Zeichen Á dargestellt wird. 

1F300 bis 1F56x – Vermischte Zeichen und Piktogramme
Dies ist der große neue Erweiterungsbereich für pikto- und ideographische Zeichen verschiedenster Art. Zu einigen ausgewählten im folgenden ein paar Bemerkungen.

Die Spalte 1F31x enthält zwei verschiedene Zeichensätze für die Notation der Mondphasen, wie sie etwa in Kalendarien anzutreffen ist. 1F311 bis 1F318 repräsentiert die vier Viertel des vollen Mondzyklus’ als auch die vier Kulminationspunkte Neu-, Voll-, ab- und zunehmender (Halb-)Mond. Die Zeichen 1F31A bis -D sind hingegen jene traditionellen Glyphen mit Gesicht, die lediglich die vier Kulminationspunkte bezeichnen und die in Kalendern am häfuigsten sind. Die Beschreibungen zu 1F319 MONDSICHEL ist etwas unglücklich ausgefallen. Eigentlich handelt es sich bei diesem Zeichen um die allgemeinste Repräsentaition von MOND, so wie sie z.B. für die Darstellung von »Nacht« oder »Abend« üblich ist. Die Glyphe kann auch als Vollton ausgeführt sein, was für farbige Darstellungen geeigneter ist.
Das Zeichen 1F320 STERNSCHNUPPE kann z.B. in der Bedeutung »selten« oder »Weihnachten« auftreten.
Ab 1F330 sind eine Reihe von Pflanzenmotiven verzeichnet, die von Früchten, bestimmten Speisen und Getränken gefolgt werden. Die Referenzglyphen sind großteils sehr illustrativ und teilweise uneinheitlich ausgefallen, was man nicht als maßgeblich ansehen sollte. Entscheidend ist immer, was bezeichnet werden soll (das Signifikat). Die graphische Ausführung ist in das Ermessen des Gestalters gelegt.
Doch es gibt auch immer wieder zwielichtige Fälle, die Mißverständnisse hervorrufen könnten. So ist 1F37C BABYFLASCHE unter der Rubrik »Getränke« eingeordnet, neben BIER, WEIN, COCKTAIL, SAKE… (!) – eine durchaus komische Zusammenstellung. Gemeint ist hier aber eher ein Zeichen für jene Orte im öffentlichen Raum, wo man die zur Kleinkindpflege nötigen Einrichtungen vorfindet. Genau dasselbe ist jedoch mit dem Zeichen 1F6BC gemeint, das ein gewickeltes Kind darstellt und im Block »Transport- und Kartenzeichen« unter der sinnlosen Rubrik »andere Zeichen« neben jenen für Toilette, Dusche etc. – im Prinzip richtig –, eingeordnet ist. Was also nun wählen, will man einfach ein Zeichen für »Babywickelplatz« anbieten? Ich selbst empfehle den Platz 1F6BC und bevorzuge auf dieser Position eine Glyphe, die Mutter mit Kind in vereinfachter Seitenansicht zeigt. Aber das ist Ansichtssache.
Mit 1F381 ist das Zeichen für »Geschenk«, »Geschenkpäckchen« gemeint. Warum 1F4E6 PAKET, VERPACKUNG die gleiche Glyphe erhalten hat, kann nur als peinlicher Fehler bezeichnet werden. Bei der Implementierung in Fonts ist hier also etwas kreative Intelligenz gefragt.
Die folgenden Positionen enthalten wieder viel Japan-spezifisches, Zeichen für verschiedene Festivitäten, Lustbarkeiten und Unterhaltung. 1F3Cx ist eine Spalte mit Sport-Piktogrammen. 1F3C0 wirft die gleiche Frage auf, wie vorhin beim Zeichen 26F8 EISLAUF: typisches Detail oder ganze Figur?
Unter 1F3Ex ist eine Auswahl von öffentlichen Gebäuden versammelt, die durch die Vorgänger-Standards bestimmt war. Auch hier sollte man sich bei Anwendung einen gewissen Interpretationsspielraum erlauben, was Auswahl und Zeichnung betrifft. So ist z.B. 1F3E5 KRANKENHAUS vielerorts in jener Form üblich, die lediglich das ›Rote Kreuz‹ und das Dach zeigt. Gleichermaßen kann 1F3E8 für ein entsprechend einfacher gestaltetes HOTEL-Zeichen verwendet werden.
Ab 1F400 kommen vier Spalten mit Tierzeichen, die wohl äußerst selten in ihrer Gesamtheit gebraucht werden. Ein Anwendungsbereich ist z.B. der Satz von Menükarten, in denen verschiedene Typen von Fleischgerichten mit kleinen Piktogrammen für RIND, SCHWEIN, HUHN oder FISCH gekennzeichnet werden. Auf Landkarten und Stadtplänen kommen verschiedene Tierpiktogramme für »Tierpark« oder »Wildgehege« vor. 1F434 entspricht inhaltlich dem (meist einfacher gezeichneten) Pferdekopfzeichen für »Reiterhof« oder dgl.; ein HUND (1F415) oder HUNDEKOPF (1F436) ist z.B. gebräuchlich in Gastgeberverzeichnissen, um die Akzeptanz von Haustieren zu markieren. In letzterem Fall sollte man sich nicht bei der Frage Vorder- oder Seitenansicht aufhalten, sondern die geeignete Form selbst wählen.

Unter den Handzeichen in der 1F44x-Spalte stellen die vier Zeigehände (1F446–9) strenggenommen eine Dopplung zu den Positionen 261C–F dar. Ich empfehle, im Zweifelsfall nur die 26er Plätze zu nutzen – oder die Glyphen im 1F4er-Bereich einfach zu doppeln (solange der Unterschied mit-oder-ohne-Ärmel keine Rolle spielt).
Die Spalten 1F46x bis 1F4Ax enthalten wiederum eine sehr gemischte Sammlung teils comicartiger Zeichen, die durch die Ausgangsstandards vorgegeben waren und über die man sich kein unnötiges Kopfzerbrechen bereiten sollte. Ab 1F4B0 folgen dann Zeichen aus den Bereich Geschäftswelt und Kommunikation, die an bereits kodierte Zeichen für Telephon oder Fax anknüpfen. Hierunter fallen auch Zeichen wie POSTEINGANG oder SIGNALSTÄRKE, die nicht zuletzt für eine allmähliche Loslösung der Zeichenkodierung von ausschließlich gedruckten Vorbildern stehen. Dieses Gebiet der Betriebszeichen für Bildschirmanwendungen – weitere ab 1F500 – wird eine wichtige Aufgabe künftiger Kodierungen sein, denn derartige Zeichen spielen gerade im Internet eine immer größere Rolle.
Der 1F6xx-Block mit einer großen Auswahl an Smileys knüpft an die bereits vorhandenen 2639–3B an.

Für den Einsatz im öffentlichen Raum und in entsprechenden Kommunikationsmitteln ist der neue Block 1F680 mit einer Vielzahl von Zeichen für Verkehrsmittel interessant. Die Fahrtrichtung der Referenzglyphen ist übrigens nicht maßgeblich. Ergänzt wird der Block durch Zeichen für öffentliche Hygiene-Einrichtungen und allgemeine Orientierung, wobei man in bestimmten Fällen (1F6BC, 1F6BD) auf eine Umsetzung im Font auch getrost verzichten kann.

Der ebenfalls neue Block 1F700 bietet schließlich –auch das eine Neuheit – einen größeren Satz alchemischer Zeichen. Die Auswahl von insgesamt 116 Zeichen entstand in Zusammenhang mit einem universitären Forschungsprojekt, das den handschriftlichen Nachlaß Isaac Newtons bearbeitet. Newton machte in seinen Aufzeichnungen regen Gebrauch von diesen Zeichen. Für Fontgestalter stellen sie eine reizvolle und schwierige Aufgabe dar, denn ihre Formensprache vereint Eigenschaften von Buchstaben wie auch von astrologischen und geometrischen Zeichen.


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Letzte Änderung: 19.10.2010 11:04