Signographie : Die Welt der Zeichen

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Versal-Eszett: Neuigkeiten und Hintergründe

Übersicht der Windows-7-Systemschriften mit neuem Versal-Eszett (2010)

von Dr.-Ing. Rolf Böhm (IAS) 


 



 

Die seit dem 3. September 2008 in Gießen erscheinende Gießener Zeitung ist aus mehreren Gründen bemerkenswert: jeder Bürger kann sich journalistisch an ihr beteiligen, der Inhalt ist ausschließlich lokalbezogen und – es ist »die mit dem großen Eszett« (Eigenwerbung). Das dürfte die derzeit spektakulärste Anwendung des neuen Buchstabens sein. – Eine Diskussion zu dieser Neuerung findet man übrigens im Fontblog von Jürgen Siebert. Besonders lesenswert ist dort die Schilderung von Werner Hankel, dem Gestalter des Zeitungskopfes.

 

Aktuelle Satzschriften mit Versal-Eszett (v. o. n. u.): Museo (Jos Buivenga), Prillwitz (Ingo Preuß), Toshna (Andreas Seidel), Andron (Andreas Stötzner), Graublau Sans (Georg Seifert).
Schriften mit Versal-Eszett

Versal-ß nun auch ISO-offiziell – Pressespiegel (2008)

  Zum Thema:  SIGNA-Sonderheft zur Kodierung des großen Eszetts – April 2008 

Seit 1879 gibt es nachweisbare Bemühungen, einen Großbuchstaben für das ß zu schaffen. In den vergangenen 129 Jahren gab es in dieser Hinsicht mehrere Vorstöße, Teilerfolge und auch praktisch-typographische Umsetzungen – jedoch keinen Durchbruch, der dem versalen Eszett (oder ›Scharf-S‹) einen festen Platz im deutschen Alphabet gesichert hätte.

Doch dieser Durchbruch ist nun erfolgt. Anfang 2007 stellte das Deutsche Institut für Normung einen Antrag zur Kodierung des versalen Eszetts an das zuständige Gremium der Internationalen Standardisierungsorganisation (ISO). Dieser Antrag wurde am 27. April 2007 in Frankfurt/M. angenommen. Mit der Veröffentlichung von Unicode 5.1 am 4. April 2008 ist das große ß nun fester Bestandteil des internationalen Zeichensatzes geworden. Damit ist die entscheidende Voraussetzung für eine dauerhafte Implementierung des Zeichens in Fonts und Tastaturtreiber gegeben.

Die Veröffentlichung einer Reihe neuer Forschungsergebnisse und umfangreicher Dokumentationen zum versalen Eszett in SIGNA Nr. 9 (Frühjahr 2006) hatte wesentlich dazu beigetragen, im Kodierungsantrag eine überzeugende Argumentation für den neuen Buchstaben aufzubauen. – Auf diesen Schwerpunkt-Seiten stellen wir Ihnen umfangreiches Informations- und Studienmaterial zum neuen Großbuchstaben aus erster Hand zur Verfügung.

 


 

Zitate

… STRASZE, PREUSZEN … Die Verwendung zweier Buchstaben für einen Laut ist nur ein Notbehelf, der aufhören muß, sobald ein geeigneter Druckbuchstabe für das große ß geschaffen ist.  
Duden, Rechtschreibung der deutschen Sprache und der Fremdwörter. Bearbeitet von Dr. J. Ernst Wülfing und Dr. Alfred C. Schmidt; Leipzig und Wien, Bibliographisches Institut 1915; S. XII

… SCHLOSS-STRASSE, GROSS-SUPER. Die Verwendung der Großbuchstaben SS oder SZ ist nur ein Notbehelf, der aufhören muß, sobald ein geeigneter Druckbuchstabe für das große ß geschaffen ist.
Duden, Rechtschreibung der deutschen Sprache und der Fremdwörter. Hrsg. Horst Klien, 13. Auflage; Bibliographisches Institut Leipzig 1947; S. 16*

Das Schriftzeichen ß fehlt leider noch als Großbuchstabe. Bemühungen, es zu schaffen, sind im Gange.
Der Große Duden, Wörterbuch und Leitfaden der deutschen Rechtschreibung. Hrsg. Horst Klien, 15. Auflage; Bibliographisches Institut Leipzig 1960; S. 800

Letzte Änderung: 10.10.2011 01:53