Signographie : Die Welt der Zeichen

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Zur Methodik der Zeichenerschlie?ung

Die Erschlie?ung realer Zeichenvorkommen und die Erstellung allgemeiner Zeicheninventare

Andreas St?tzner ? Internationaler Arbeitskreis Signographie
Vs. 3.3 August 2006

VORWORT
Die Signographie steckt noch in den Kinderschuhen. Das gilt auch f?r die Grundlage signographischer Forschung: der Erschlie?ung des Untersuchungsgegenstandes ? der Zeichen.

Was gibt es ?berhaupt alles f?r Zeichen?
Welche Zeichen werden in Reisef?hrern verwendet?
Gibt es ein Zeichen f?r "Zeit"?


Solche Fragen k?nnen nur auf der Grundlage eines qualifizierten Archivbestandes beantwortet werden.
Mit diesem Text soll eine Methode systematischer Zeichenerschlie?ung entworfen werden.

1. Zielstellung der Zeichenerschlie?ung
2. Die f?nfstufige Methode der Zeichenerschlie?ung
? 2.1. Sammlung
? 2.2. Ordnung
? 2.3. Dokumentation
? 2.4. Kritik
? 2.5. Inventar
3. Schlu?

1. Zielstellung der Zeichenerschlie?ung

In diesem Aufsatz wird eine Methode zur Erschlie?ung graphischer Zeichenvorkommen vorgeschlagen. Mit Erschlie?ung ist die Feststellung der Anwendbarkeit bestimmter Zeichen (oder Zeichengruppen) aufgrund nachgewiesener Vorkommen gemeint.
In vielen Anwendungsgebieten wird heute eine F?lle von pikto- oder ideographischen Zeichen eingesetzt, die nicht standardisiert oder von offiziellen K?rperschaften autorisiert sind, in deren Einsatz sich vielmehr eine lebendige Praxis signographischer Ausdrucksfindung f?r mannigfaltige Zwecke des t?glichen Lebens darstellt. Die Sch?pfung oder ?bernahme und Anwendung von Zeichen f?r bestimmte informative Zwecke geschieht eingebettet in gr??ere Kommunikationsprozesse und ist daher einer Tendenz zur Vereinheitlichung unterworfen. So haben wir zwar ein unbestimmtes Gef?hl, da? es f?r ?Fahrstuhl?, ?Hotel? oder ?24 Stunden ge?ffnet? bestimmte Zeichen gibt, aber wir sind nicht in der Lage, f?r F?lle wie diese allgemein g?ltige und anerkannte Referenzen aufzurufen, wie wir das etwa f?r die Zeichen der Alphabete, der Mathematik oder des Stra?enverkehrs k?nnen. Doch Zeichen f?r allgemeine Belange sind nur dann von kommunikatorischem Wert, wenn sie allgemein verstanden werden.
F?r das Erlangen von Allgemeinverst?ndnis eines Zeichens gibt es theoretisch zwei M?glichkeiten: es wird punktuell eingef?hrt, d.h. der Allgemeinheit administrativ aufgesetzt (wie es z.B. mit @ oder ? geschah) oder es bildet sich heraus, d.h. es entsteht, es kristallisiert sich heraus aufgrund von Gebr?uchen, die in einer bestimmten Kultur begr?ndet sind. Dieser zweite Weg ist der weitaus h?ufigste und jener, der hier von eigentlichem Interesse ist. Ein solcher Proze? der Zeichenentstehung wird gesteuert vorwiegend durch bestehende Vorstellungen, Erwartungen oder Assoziationsm?glichkeiten, durch die kulturelle Pr?gung der Zeichenerzeuger und -empf?nger. Im Zuge solcher Prozesse kommt es tendenziell zur Vereinheitlichung von Zeichengebr?uchen, da diese naturgem?? die allgemeine Verst?ndlichkeit und Akzeptanz der Zeichen f?rdert.

Die im folgenden zu entwerfende Methodik der Zeichenerschlie?ung hat eine m?glichst wirklichkeitsnahe Darstellung von im realen Leben stattfindenden Zeichenentwicklungen zum Ziel. Konkret bedeutet dies, da? vorkommende Zeichen eines bestimmten Gebietes in mehreren Vorkommen zu erfassen und zu vergleichen sind. Diese Arbeit versetzt uns schlie?lich in die Lage, Aussagen ?ber Allgemeing?ltigkeit oder Seltenheit bestimmter Zeichen zu treffen, verschiedene Darstellungsm?glichkeiten eines Begriffes zu vergleichen und absehbare Konventionalisierungstendenzen ggf. in konkrete Empfehlungen oder Standardisierungsvorhaben umzusetzen. Es geht letztlich darum, zeichengest?tzte Kommunikationsprozesse zu erfassen, zu begreifen, zu unterst?tzen und zu intensivieren ? zugunsten verbesserter Verst?ndigung und effektiverer Kommunikation.

Zu erforschende Zeichen mu? man erst einmal kennen. Um dieses Kennen aber ?ber das Stadium des "Hab-ich-dort-mal-geseh?n" hinaus- auf eine Stufe wissenschaftlich glaubhafter Kenntnis zu heben, ist eine kritikf?hige Methode der Zeichenerschlie?ung notwendig. Sie dient dem Ziel, die verschiedenen Forschungen um der Vergleichbarkeit willen auf eine gemeinsame Basis zu stellen. Damit w?rde es leichter, die Relevanz bestimmter Erkenntnisse einzusch?tzen, Querbez?ge zu erkennen und einzelne Fakten in einen gr??eren Zusammenhang einzuordnen.
Nicht zuletzt verweisen derzeit stattfindende internationale Standardisierungsvorhaben auf die Notwendigkeit einer wissenschaftlich begr?ndbaren und begr?ndeten Zeichenerschlie?ung. Da eine solche bisher nicht etabliert ist und kaum praktiziert wird, soll mit der hier zu entwerfenden Methode ein erster Schritt in diese Richtung unternommen werden.

2. Die f?nfstufige Methode der Zeichenerschlie?ung

Sammlung ?> Ordnung ?> Dokumentation ?> Kritik ?> Inventar

Dieser Ablauf wird als Arbeitsmodell f?r signographische Zeichenerschlie?ung vorgeschlagen. Er soll dazu dienen, die Erschlie?ungsarbeit zu Zeichen bzw. Zeichengruppen so zu strukturieren, da? gegebene Informationen von jedermann richtig eingeordnet und m?glichst objektiv beurteilt werden k?nnen (also z.B. ein dokumentiertes Einzelbeispiel nicht unkritisch als allgemeine Norm verstanden wird, usw.). Wenn also etwa ein Inventar botanischer Zeichen mit normativem Anspruch als Information angeboten wird (und Zeichen sind letzthin immer eine Art Norm!), dann sollte nachvollziehbar sein, auf welcher Grundlage diese Aufstellung zustandekam.

2.1. Sammlung

Aller Bem?hungen Anfang ist das Sammeln realer Vorkommen. Sammlungsgegenstand sind Zeichenvorkommen jedweder Art in jeglichem Medium: von Verpackungen ?ber Internetseiten bis zu Ger?tekennzeichnungen oder Fachb?chern. In vielen F?llen sind Beispiele aus der Fachliteratur zu entnehmen, auch photographische, gedruckte, elektronische oder gegenst?ndliche Belegst?cke dienen als Nachweis eines bestimmten Zeichengebrauches. In Fachliteraturen werden vielfach sog. Sonderzeichen angewandt, die meistens durch eine Legende erk?rt sind. Der Vergleich mehrerer solcher Legenden, wenn sie sich inhaltlich entsprechen, ist f?r Dokumentation und Kritik oft besonders aufschlu?reich.
Die unvermeidbare Ausschnitthaftigkeit einer Sammlung sollte f?r die weitere Arbeit nicht als Mangel gelten. Oft lassen sich schon auf der Grundlage relativ weniger repr?sentativer Vorkommen wertvolle Aussagen treffen. Bei der Sammlungst?tigkeit ist zu ber?cksichtigen, da? gerade heute st?ndig neue Zeichen bzw. Zeichengebr?uche entstehen.

2.2. Ordnung

Eine Sammlung hat solange keinen Aussagewert, wie sie im Stadium der blo?en Anh?ufung vorliegt. Dem Sammeln folgt also notwendigerweise das Ordnen. Mit dem Ordnen entwickelt sich eine Kategorienbildung und die erarbeiteten Kategorien werden zum Schl?ssel f?r den Zugang zu den gesammelten Beispielen. Geordnet werden kann nach verschiedenen Gesichtspunkten:

? Thematische Ordnung
Zeichen(-gruppen) werden nach Anwendungsgebieten sortiert, z.B. Gastgewerbe, Kartographie.

? Graphische Ordnung
Hier werden verschiedene Zeichen zusammengef?hrt, die auf einer gemeinsamen graphischen Form beruhen, z.B. Pfeil, Kreuz, Spirale.

? Zeitliche Ordnung (zeitlich-thematisch)
z.B. Steinzeitglyphen, Firmenzeichen des 19. Jahrhunderts.

? R?umliche Ordnung (r?umlich-thematisch)
Nach geographischen Vorkommen, z.B. Afrikanische T?pfermarken.

? R?umlich-zeitliche Ordnung
z. B. Byzantinische Kaisermonogramme, Italienische Touristikzeichen der 1920er bis 50er Jahre

? Systemische Ordnung
Damit sind bestimmte Arten von Zeichensystemen oder signographische Aspekte gemeint, die themen?bergreifend bedeutsam sein k?nnen, wie etwa Alphabete, Mengenzeichen, Positiv/Negativ, Linearsignaturen.

? Praktische Ordnung
Unterscheidet nach Zeichenerzeugungstechnik, z.B. Gef?gte Zeichen, Geschmiedete Monogramme, Pr?gestempel, Baumritzungen.

? Einzelzeichen
Hier werden Beispiele eines einzigen Zeichens erfa?t, etwa: Aeskulapstab, Rollstuhlfahrer, Totenkopf.

? Einzelsignifikat
Ein einzelner Begriff (oder: Signifikat ? das Bezeichnete), f?r den verschiedene Zeichen nachweisbar sind; z.B. f?r den Begriff Zeit: Uhr, Sanduhr, Monatszeichen, Jahrzeichen; f?r Einkaufen: Einkaufskorb, Waage, Einkaufswagen.

Der wohl wichtigste und am h?ufigsten anzuwendende Ordnungsaspekt ist der thematische, Zeichen werden nach Anwendungsgebiet geordnet, um festzustellen, welche Zeichen es etwa auf Kaffemaschinen oder in Krankenh?usern gibt. Das Ordnen von Sammlungsgut fordert st?ndig zu Entscheidungen heraus, die auf die weitere Arbeit verweisen: Sortiert man alle Zeichenvorkommen zu Merkmalsbeschreibung von M?beln unter einer Rubrik oder ist es notwendig, eine eigene Sammlung von Zeichen f?r Federkern (-Matratzen) anzulegen? F?r solche Fragen kann es kaum fertige Antworten geben. Naheliegenderweise werden Sammlungen bewu?t im Hinblick auf bestimmte Fragestellungen angelegt.

2.3. Dokumentation

Sammeln und Ordnen m?nden zun?chst in die Dokumentation: diese verifiziert die konkreten Vorkommen und bereitet sie f?r die Forschung auf. Eine Dokumentation kann archivalisch oder publizistisch erfolgen.
Gegenstand der signographischen Dokumentation aufgrund thematischer Sortierung sind die Zeichen eines bestimmten Sachgebietes und ihr Anwendungszusammenhang, so wie es aus den gesammelten Beispielen hervorgeht (z.B. ?Schwei?nahtzeichen? oder ?Zeichen auf K?chenger?ten?). Eine Dokumentation kann andererseits auch ein einzelnes Vorkommen beinhalten, sie kann eine Formgruppe, ein einzelnes Signifikat oder einen einzelnen Anwendungsfall mehrerer Zeichen zum Inhalt haben (s. Ordnungskriterien unter 2.2.).
Eine Dokumentation besteht aus Abbildungen der Vorkommen, Quellenangaben und Erl?uterungen zu den Zeichen, ihrer Darstellung und Anwendung.

2.4. Kritik

Vergleicht man etwa die haupts?chlich angewandten Orientierungszeichen mehrerer Flugh?fen, wird man viele Gemeinsamkeiten, aber auch bestimmte Unterschiede feststellen. Eine Dokumentation solch verschiedener, einander sachlich entsprechender Vorkommen ist geeignet, eine Reihe von Fragen aufzuwerfen, deren Diskussion Gegenstand der Kritik ist. Insbesondere, wenn f?r ein Anwendungsgebiet oder ein Signifikat mehrere voneinander abweichende L?sungen dokumentiert sind, stellt sich die Frage nach begr?ndeten Alternativen, bevorzugten L?sungen, nach zul?ssiger Variabilit?t ? oder nach Vereinheitlichung.
Eine Kritik ber?hrt Fragen nach der Form/Inhalt-Zuordnung (also dem Gebrauch bestimmter graphischer Formen f?r bestimmte Signifikate) ebenso wie nach der Variabilit?t oder Konsistenz der graphischen Ausf?hrung (Deataillierung, Duktusvarianz), nach semantischen Beziehungen innerhalb einer Zeichengruppe oder auch eine Diskussion evtl. vorhandener Mi?verst?ndnisse, Abwegigkeiten und Zweideutigkeiten.
Eine Schl?sselstellung im Rahmen der Kritik kommt der Synopse zu. Im direkten Vergleich der Zeichengebr?uche verschiedener ?hnlich gelagerter Anwendungsf?lle wird deutlich, welche Zeichen konstant mit gleicher Bedeutung vorkommen, ob ein Zeichen in verschiedenen Bedeutungen vorkommt oder ob ein Begriff durch unterschiedliche Zeichen wiedergegeben wird.
Ein Beispiel: die Verwendung botanischer Zeichen in mehreren Botanik-B?chern. Die Signifikate sind hier jeweils: ?maskulin?, ?feminin?, ?Zwitter?, ?Hybrid?, ?Staude?, ?einj?hrig? usw.. Bei einem synoptischen Literaturvergleich ist festzustellen, da? viele Zeichen in immer gleicher Form/Sinn-Zuordnung verwendet werden, einige Zeichen aber von Fall zu Fall abweichen. Demzufolge kann man den wiederholt gleichsinnig auftretenden Zeichen eine g?ngige oder konventionelle, anderen dagegen eher eine partielle G?ltigkeit attestieren (d.h., die Glyphen kommen nur gelegentlich mit der betreffenden Bedeutung vor).
Inwieweit ist ein bestimmter Zeichengebrauch ?berhaupt existent, ?blich, verbreitet, Allgemeingut, standardisiert oder autorisiert?
Ich schlage vor, die einzelnen Zeichen einer Anwendungsgruppe in der Kritik mit einem Relevanzgrad wie folgt zu versehen:

A ? Allgemeingut
B ? offizialisiert
C ? konventionell
D ? ?blich
E ? existent

Als existent und damit f?r die Anwendung prinzipiell als m?glich zu betrachten ist ein Zeichenvorkommen, wenn es mindestens mit einem sinnvoll erscheinenden Anwendungsfall nachgewiesen wird (E).
Bei mehr als einem Vorkommen gleicher Art k?nnen wir einen Gebrauch als ?blich betrachten (D), auch wenn f?r das betreffende Signifikat wechselnde Bezeichnungen vorgefunden werden.
Als konventionell ist ein Gebrauch zu charaktierisieren, der im betreffenden Umfeld frequent und weitgehend alternativlos auftritt, der von der infragekommenden Nutzergemeinde als de-facto-Standard gehandhabt wird und daher auf eine gefestigte Konvention im betreffenden Geltungsbereich schlie?en l??t, wie z.B. bei der mathematischen oder musikalischen Notation (C).
Manche Zeichengebr?uche sind durch bestimmte K?rperschaften offizialisiert (B), die damit eine Normierungsfunktion f?r den betreffenden Bereich (z.B. in technischen Disziplinen) aus?ben.
Schlie?lich gibt es Zeichengebr?uche, die ? wie etwa das ABC oder die Ziffern ?, aufgrund genereller Bekanntheit und massenhaften Gebrauchs ohne weitere Begr?ndung als Allgemeingut angesehen werden k?nnen (A).
Dieses Grundschema von f?nf Relevanzgraden bietet ein Ger?st f?r die Beurteilung der Konventionalit?t eines Zeichengebrauches. Je nach dem, ob f?r die Zeichen eines Sachgebietes vorwiegend C- und D-Grade oder eine gr??ere Zahl von E-Graden festgestellt werden, ist abzulesen, in welchem Ma?e sich der Zeichengebrauch in Richtung Eindeutigkeit und Allgemeinverst?ndlichkeit entwickelt.

2.5. Inventar

Der Sinn signographischer Erschlie?ungsarbeit liegt letztlich in der M?glichkeit, zu einem bestimmten Gebiet begr?ndete Aussagen zum Zeichengebrauch treffen zu k?nnen.
M?chte jemand z.B. botanische Zeichen einsetzen, so fragt er sich: ?Welche botanischen Zeichen gibt es?? Genaugenommen bedeutet dies die Frage: welche Zeichen sind sinnvollerweise wie anzuwenden? Wie berechtigt und sinnvoll ist es, sich selbst f?r einen bestimmten Zeichengebrauch zu entscheiden? ? Alle Bem?hungen um Dokumentation und Kritik von Zeichengebr?uchen haben ihr Ziel in der Beantwortung v.a. dieser letzten Frage. Deswegen ist es folgerichtig und notwendig, aus Befundkritik und vergleichender Synopse heraus schlie?lich ein normatives Zeicheninventar zu erstellen. Denn f?r den praktischen Anwendungsfall ist eine eindeutige Festlegung (?dies ist Zeichen f?r das?) am Ende unumg?nglich.
?Welche touristische Zeichen sind in einem Camping-F?hrer anzuwenden??
F?r Anwendungsgebiete wie dieses gibt es keine offiziellen oder De-facto-Standards (wie ihn das ABC bsp.weise darstellt). F?r solche F?lle bietet ein auf der beschriebenen Erschlie?ungsarbeit basierendes signographisches Inventar eine fundierte Entscheidungshilfe. Als wie verbindlich ein solches Inventar angesehen wird, unterliegt letztlich der Einsch?tzung und Abw?gung des Nutzers, der seine Anwendungsentscheidung auf eine solche Empfehlung st?tzen m?chte.
Ein signographisches Inventar ist eine Liste von Zeichen eines bestimmten Sachgebietes. Sie mu? Abbildungen der einzelnen Zeichen sowie die dazugeh?rigen Beschreibungen enthalten. Unter der Voraussetzung, da? prinzipiell jedes Zeichen in seiner Auspr?gung stilistischer Variabilit?t unterworfen sein kann, sollte ein Inventar die Zeichen v.a. objektiv, in Gestalt der graphischen Skelettform abbilden.
Das signographische Zeicheninventar bildet eine Synthese aus allen vorangegangenen Schritten: die Ergebnisse des Sammelns, Ordnens, Kategorisierens und Dokumentierens werden durch die Kritik gefiltert und schlie?lich zu einer normativen Zusammenstellung destilliert.
Ein solches Inventar ist also eine begr?ndete Zusammenfassung bestimmter Erkenntnisse. Es unterliegt daher der Notwendigkeit der ?berpr?fung, Aktualisierung und ggf. Korrektur. Selbst wenn alle Zeichen eines Inventars A- oder B-Status haben, ist immer noch die M?glichkeit der Erweiterung des jeweiligen Repertoires gegeben.
Da? ein signographisches Inventar von Anwendern als Standard betrachtet wird oder in einen offiziellen Standardisierungsproze? m?ndet, ist der Idealfall gr??tm?glicher Wirksamkeit signographischer Erschlie?ungsarbeit.

3. Schlu?

Dem erl?uterten methodischen Weg von Befund ?ber Vergleich und Kritik bis zum Inventar liegt die Vorstellung der Konventionalisierung von Zeichengebr?uchen zugrunde ? und der sinnvolle Gebrauch von Zeichen als Verst?ndigungsmittel ist immer eine Konvention. Die beschriebene Methode bildet also eigentlich nur ab, was sich in der Entwicklung von Zeichengebr?uchen unwillk?rlich ohnehin vollzieht. Die Anwendung dieser Methode ist geeignet, den ?nat?rlichen? Proze? der Signifikation (Zeichenwerdung) bewu?t zu machen, ihn zu f?rdern und produktiv einzusetzen, um Konventionenbildung und damit visuelle Verst?ndigungsm?glichkeiten zu entwickeln.

Andreas St?tzner 


Letzte Änderung: 12.11.2007 01:40