Signographie : Die Welt der Zeichen

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Grafische Repräsentation von Handzeichen

J e a n - B e n o i t   L e v y

  Kein anderes menschliches Körperteil ist zum Zeichengeben derart geschaffen wie die Hand. Dementsprechend vielfältig sind die gestischen Zeichen, die Menschen per Hand geben können – seit Menschengedenken. Auf seinem kreativen Weg hat sich Jean-Benoit Levy für eine Zeitlang von der grafischen Repräsentation der Handzeichen überschwemmen lassen, Hand-zeichen aus aller Welt gesammelt, und diese unendliche Vielfalt zu seinem Thema gemacht. Sein beim Verlag Lars Müller (Baden/Schweiz) erschienenes »Handbook« sei allen empfohlen, die sowohl an einer Systematisierung als auch an hunderten von Bildbeispielen mit Hand-zeichen interessiert sind. Parallel dazu hat JBL in seinem Studio AND eine Kollektion von 200 Handzeichen geordnet, grafisch vereinfacht, und in eine Schrift adaptiert. Buch und Schrift bilden ein visuelle Recherche über das Thema Handzeichen. Interaktive Projekte mit JBL-Partnerin, Claudia Dallendörfer, sind ebenfalls im Studio AND in Entwicklung.

Hand mit Bankkarte 

 Die Beobachtung und Umsetzung einer nonverbalen Ausdrucksmöglichkeit. 

Am Anfang war das Wort. Man darf sich aber trotzdem fragen, was war vor dem Wort? Wie können Tiere ohne Hände kommunizieren? Sich intelligente Wesen nur mit Körperhaltung ausdrücken? Mit der Hand reden? Wie drücken Sie sich ohne Ihre Hände aus? Ist die Hand ein zusätzliches Körperteil, das unsere Sprache verstärkt? Wie viele wissenschaftliche Studie es schon gezeigt haben, hat dieses wichtige Körperteil die Entwicklung unseres Gehirns beeinflusst, und Mensch von Tier getrennt. 

Finger: Richtung Die Handzeichensprache ist universell.

Sie gehört keinem Menschen speziell, aber jedem Menschen generell. Auch wenn gewisse Zeichen von Kultur zu Kultur etwas anderes bedeuten, besteht trotzdem eine gemeinsame Handzeichen­sprache.
    Um etwas zu organisieren, braucht man zuerst eine Sammlung: Ungeachtet der Muttersprache, bilden diese Handzeichen eine Art von internationaler Sprache. Jedes Mal, wenn wir eine Milchtüte oder Waschpulververpackung öffnen, beim Duschen, beim Gebrauch von Werkzeugen, oder bei der Suche nach dem Weg, begegnen wir Handzeichen.

Komposition: Hands
    Auf Reisen, während mehrerer Jahre von Recherche, sind systematisch zahlose Handzeichen aus der ganzen Welt gesammelt worden. Entdeckt auf gedruckten Verpackungen, in verschiedenen Zeichensystemen, in Betriebsanleitungen oder virtuellen Schnittstellen, wurden diese Zeichen während einer Dokumentationsphase gesammelt und neu kategorisiert.
    Um eine Sammlung zu vereinheitlichen, bedarf es einer visuellen Vereinfachung: Obwohl wir alle sehr verschieden sind, haben wir eines gemeinsam: Alle Menschen kommen regelmässig in Kontakt mit modernen Hieroglyphen, in diesem Falle mit gedruckten Handzeichen, die überall in unserem alltäglichen Leben präsent sind. Wir schauen sie so oft an, um Informationen oder Hilfe zu erhalten, dass sie für uns selbstverständlich geworden sind. Da all diese Handzeichen in verschiedenen Grössen, von verschiedenen Illustratoren und in verschiedenen Epochen grafisch dargestellt worden sind, kam die Idee, all diese Zeichen nachzuzeichnen, an­zupassen und in einer eigenen "Schrift" zu vereinen. Die Auswahl der Zeichen basierte auf täglichen Handbewegungen und universellen Handcodes.
    Das daraus entstandene Kompendium von 200 verschiedenen, visuell vereinheitlichten weltweiten Zeichen, ist der Versuch, eine globale, nonverbale Sprache grafisch zu systematisieren. Sie steht für jedermann zur Verfügung und kann für weitere experimentelle Kreation oder Informationelle grafische Arbeiten verwendet werden.

Finger hoch: Aufpassen Von der Theorie der Information zu den ästhetischen Wahrnehmungen.

Kommunikation hat drei Hauptziele: informieren, überzeugen und Ästhetik vermitteln. Der kalifornische Kommunikationsspezialist Aaron Marcus erklärt in dem »Handbook«, dass es nicht wichtig ist, in welchem Kontext die Handzeichen erscheinen. Sei es im dreidimensionalen Raum, auf Drucksachen oder in digitalen Medien, das Publikum empfängt deren Inhalt gleichzeitig auf allen drei Ebenen. Um den Sinn von diesen Zeichen zu verstehen, muss man sie über die vier Ebenen der Semiotik analysieren: lexikalisch, syntaktisch, semantisch und pragmatisch. 

Offene Hand

    Lexikalisch bedeutet, wie ein Zeichen hergestellt ist. Sind die Bilder gemalt oder gedruckt, einzig oder vielfältig, digital oder analog? Was ist ihr Stil? 

    Syntaktisch behandelt das Aussehen der Zeichen. Sind die Bilder schwarzweiß oder farbig? Illustratives oder fotografisch? Groß oder klein? Statisch oder dynamisch? Tastbar oder gar akustisch?    

    Semantisch untersucht, wie ein Zeichen mit anderen in Verbindung steht. Was bedeutet das Bild der Hand? Worauf deutet sie hin? In welche Richtung zeigt die Hand? Erklärt sie sich von selbst, oder steht sie in einem weiteren Zusammenhang?  

    Die pragmatische Ebene interessiert sich für die Weise, wie die Zeichen verwendet werden. Sind sie erkennbar, unklar, lesbar oder nicht? Zweideutig, klar oder verworren? Wie wird das Zeichen wahrgenommen? Die Handzeichen sind also mit Zeit, Raum, und mit ihrem Sinn und ihrer Wirkung verbunden.

Hand und Knopf

Die Handzeichen sind seit der Vorzeit stark mit der Geschichte des grafischen Ausdruckes verbunden, und sie sind grundlegender Teil der menschlichen Erfahrung. Unterschiedliche Zivilisationen haben sie  mit unterschiedlichen Techniken reproduziert, sie drücken sich in der Gegenwart aus, tragen die Spuren der Vergangenheit und enthalten jene der Zukunft.

J B L. 2010. Studio A N D. Thanks to Markus Hägele for the translation

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Handbook

Jean-Benoit Levy: Handbook. Lars Müller 2007
http://www.lars-mueller-publishers.com/en/catalogsearch/result/?q=handbook

Das Handbuch kann hier online bestellt werden.

Videointerview zur Veröffentlichung des Buches

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H-AND-S: Eine Schrift mit Handformen von Studio AND


Eine Animation des Motion Artists Kai Chang ist hier zu sehen:
http://www.youtube.com/watch?v=IboH9PfbysU&feature=related




Ein virtuelles Projekt, entwickelt von Multimedia AND-Partnerin
Claudia Dallendörfer, kann hier endeckt werden:

http://www.and.ch/categories/interfaces_10digits.php

 

Das Thema »nonverbale Kommunikation« wurde mit H-ANDS zusammen mit JBL-Partnerin Claudia Dallendörfer im Rahmen der Klasse »Interaktive Infographics« an der Academy of Art University in San Francisco untersucht:
http://www.and.ch/education.php


Letzte Änderung: 01.01.1970 01:00