Signographie : Die Welt der Zeichen

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Neue ß-Funde

Die Geschichte des Buchstabens ß ist, trotz einiger Fortschritte in den letzten Jahren, noch immer nicht hinreichend erhellt. Die Neuerschließung und kritische Betrachtung bisher unbekannten Materials ist notwendig. Wir präsentieren auf dieser Seite einige erst in jüngster Zeit entdeckte Vorkommen.


Zwei verschiedene ß-Glyphen in einer gemeißelten Hausinschrift in Rudolstadt (Thüringen), 1588. Sind diese ß als Ligatur von lang-s/s oder lang-s/z gemeint? Die Inschrift ist im Duktus merklich handschriftorientiert. (Photographie: Andreas Stötzner, Oktober 2007)

Ältestes derzeit nachgewiesenes Antiqua-ß in einem deutschen Textsatz. Aus der Boethius-Übertragung »Christlich-Vernunfft-gemesser Trost und Unterricht […]« von Franziscus Helmont, Druck von Abraham Lichtenthaler, Sulzbach 1667. Abbildung: aus einem Exemplar in der Bibliothek der Franckeschen Stiftungen zu Halle/S., erstmals veröffentlicht in: SIGNA Nr. 9 (2006) 

Bisher ältestes bekanntes Antiqua-Eszett in einem deutschen Versal-Text (1668). An welchen Schriftmustern hat sich der Schöpfer dieser Inschrift orientiert? Die eigenwillige untere rechte Halbhaste mit Serife deutet auf eine Tendenz, das ß zur Majuskel formen zu wollen. – Anfang März 2008 in Weinheim (Bergstraße) entdeckt und photographiert von Ingo Preuß. Siehe hierzu weitere Erläuterungen.

Aus einem lateinisch-ungarisch-deutschen Wörterbuch, gedruckt 1782 bei Martin Hochmeister in Hermannstadt  (Siebenbürgen). Offensichtlich eine Wiederkehr der Lichtenthaler-Form (s.o.) in einer anderen Satzschrift. Dieser Druck, 115 Jahre nach Lichtenthaler und 40 Jahre vor Grimm, ist das momentan einzige bekannte Beispiel eines Antiqua-ß dieser Zeit. Bisher unbekannter Druck, freundlicherweise zur Verfügung gestellt durch Prof. Eszter Fontana, Leipzig.


1879 von Ferdinand Theinhardt im Auftrag des Vereins für Rechtschreibung geschaffene Versal-Eszett-Type, erstmals vorgestellt in: Regeln für die Deutsche Schreibung, Berlin 1879. (aus: SIGNA Nr. 9)

Indische Tourismus-Werbung, Anzeige aus DER SPIEGEL, 21. Januar 2008 (freundlicherweise bekanntgemacht durch Th. Poschenrieder).


Letzte Änderung: 01.07.2008 01:36